Cochenilleschildlaus (Dactylopius coccus)

Die Kanarischen Inseln waren im 19. Jahrhundert bekannt für den  Anbau von “La Cochinilla“, auch “la grana“ genannt. Es handelt sich hierbei um eine aus Amerika stammende Schildlausart, die auf Opuntienpflanzen lebt. Nun, wird man sich fragen, wozu in aller Welt baut man Schildläuse an? Die Antwort findet jeder, der den weißen Flaum auf einem Kaktus einmal zerdrück hat: blutrote Farbe quillt ihm entgegen. Das war der Rohstoff, mit dem im vorigen Jahrhundert roter Farbstoff vor allem für Kosmetik produziert wurde. Auf den Kanarischen Inseln begann der kommerzielle Anbau 1830 und wurde bis zur letzen Dekade des 19. Jahrhunderts durchgeführt.

Die Cochenilleschildlaus stammt ursprünglich aus Mexiko und wurde von einem Mann namens Quintero über Cadiz auf die Kanarischen Inseln gebracht. Der Anbau breitete sich auf allen Inseln besonders im Süden aus. Der Höhepunkt der Produktion war zwischen 1855 und 1870. Durch die enorme Entwicklung, die der Anbau der Cochenilleschildlaus genommen hatte, bekam auch die in dieser Zeit eingeführte Zollfreiheit in den Kanarischen Häfen eine große Bedeutung (die Marktöffnung nach Westeuropa). Bis zu drei Millionen Kilo des roten Farbstoffes wurden pro Jahr verschifft.

Die Entdeckung des Anilin (von Unverdorben 1826 gefundene farblose, ölige, giftige und brennbare Flüssigkeit, die im Steinkohleteer vorkommt) und die Entwicklung der Anilinfaben führte dazu, dass 1888 der Anbau von Dactylopius coccus eingestellt wurde. Als Ersatz wurden dann Bananenplantagen angelegt. Die zum Anbau der Cochenilleschildlaus eingeführten Opuntien (Feigenkakteen) breiten sich seitdem ungehindert aus.