Miel de Palma

Kanarischen Dattelpalmen (Phoenix Canariensis)
Kanarischen Dattelpalmen

Nach wie vor gehört die Gewinnung des Palmsaftes Guarapo, aus dem der so genannte Palmenhonig miel de palma hergestellt wird, zur Tradition Gomeras. (Guarapo ist ein Ketschua-Wort aus Mittelamerika für Zuckerrohrsaft.)

Mit einem Beil werden alle Wedel der Dattelpalme bis auf den horizontal wegstrebenden unteren Kronensektor abgehackt. Der kegelförmige Scheitel, aus dem die Wedel herauswachsen, wird ebenfalls weggeschlagen. Es entsteht eine etwas vertiefte Ebene zwischen den stehengebliebenen Wedeln.

Der Guarapero muss abends hinaufklettern, um die oberste Schicht des während der Nacht nachgewachsenen und während des Tages in der Sonne vernarbten Gewebes mit einem gut geschliffenen Stecheisen abzutragen.

Beim neuen Austrieb erzeugt die Palme vor allem nachts einen enormen Saftfluss. Die Flüssigkeit wird durch ein eingelegtes Schilfrohr in einen an der Krone befestigten Eimer geleitet. Diesen Eimer muss der Guarapero morgens vor Sonnenaufgang holen, da die Sonneneinstrahlung den Saft zersetzt.

Eine Palme gibt acht bis 12 Wochen pro Tag 12-16 Liter Saft. Aus diesem werden rund 200 Liter „Miel de Palma“ hergestellt, indem der Saft durch Rühren zu Sirup eingedickt wird. Um ein 10-Liter-Gefäß zu füllen, muss 2-3 Stunden gerührt werden.

Miel de Palma kann man nicht nur zum Süßen von Speisen nehmen: der Palmenhonig hat auch eine desinfizierende Wirkung, er hilft zum Beispiel bei Halsschmerzen oder Entzündungen im Mundbereich.